TU-Club bleibt!

Die Anfänge

Der TU-Club in der Wiener Paniglgasse ist ein seit nunmehr 20 Jahren bestehendes nichtkommerzielles Kommunikationszentrum und Beisl, das von einem basisdemokratischem Verein in Selbstverwaltung betrieben wird. Jetzt steht er möglicherweise kurz vor dem Ende.

1978 wurde der ehemalige Hörsaal im Kellergeschoß (der jetzige Veranstaltungsraum des Clubs) vom akademischen Senat der HochschülerInnenschaft der TU Wien (HTU) gewidmet, welche den Verein mit der Errichtung eines Kommunikationszentrums beauftragte. Im Laufe der Zeit und mit einigen Unterbrechungen im Betrieb, wurde der Club auf das Erdgeschoß und den 1. Halbstock ausgedehnt, wo das Beisl bzw. das Kommunikationsreferat der HTU Platz fanden. 1989 wurde schließlich ein Vertrag zwischen der HTU und dem Verein abgeschlossen, der diesem die alleinige Nutzung der Räumlichkeiten sicherte.

Was es zu verlieren gibt

Die Aktivitäten des TU-Clubs reich(t)en von der Verköstigung zu halbwegs humanen Preisen über die Veranstaltung von Konzerten und Partys, den Verleih von technischem Equipment, der kostenlosen zur Verfügungstellung von Infrastruktur und Räumen an linke und alternative Gruppen (z.B. an uns), bis zur aktiven Unterstützung verschiedener Demos usw. durch das Kollektiv. Darüberhinaus ist "der Club" ein Treffpunkt für viele fortschrittliche Menschen aller Arten, ohne Konsumzwang, und mit zumeist gutem Verhältnis zwischen BetreiberInnen und BesucherInnen.

Der Wickel

Mitte 1997 begannen jedoch die Probleme. Eine Koalition aus rechten Fraktionen in der Fachschaftsliste (FSL, stellt den Vorsitz an der HTU; sehr inhomogen) und ehemaligen TU-Club MitarbeiterInnen sprach dem jetzigen Kollektiv die Kompetenz zur Führung des Beisl und Veranstaltungbetriebes ab, und brachte ein Gegenkonzept, welches u.a. die Aufnahme eines kommerziellen Gasthausbetriebes, die Orientierung weg von der linken Szene zu einem rein studentischen Publikum, und die Aufgabe der basisdemokratischen Strukturen beinhaltete, ein. Unterstützt wurden sie vom neuen Vorsitzenden der HTU, der eine dem TU-Club wohlgesonnene Vorsitzende abgelöst hatte, und der nun versuchte dem Verein die Räume zu entziehen. Das ganze gipfelte in dem Versuch durch ein als im TU-Club stattfindend angekündigtes Fest der HTU unpolitische Studis zu mobilisieren, und den Club auf diese Weise zu übernehmen. Die BetreiberInnen und UnterstützerInnen verwehrten den Funktionären und ihrer Begleitung jedoch den Zutritt, und konnten auch den Versuch den Schlüssel zur Eingangstür zu "erbeuten" unterbinden. Auch ein Antrag der HTU auf "einstweilige Vorkehrungen", sprich Rauswurf, bei Gericht verlief im Sande, vor allem weil ja oben genannter Vertrag mit der HTU bestand. Die einzige Möglichkeit den Verein problemlos loszuwerden war die Umwidmung der gesamten Räumlichkeiten durch den akademischen Senat, das höchste Gremium der TU, was aufgrund einer Absprache des HTU-Vorsitzenden mit dem Rektor am 23. 3. 98 schließlich passierte. Das heißt, die Verwaltung der betreffenden Räume ging von der HochschülerInnenschaft wieder zurück an die Republik Österreich. Wer sich hier nun zuständig fühlt, ob der Rektor, die Bundesgebäudeverwaltung oder die Finanzprokuratur, ist nicht vollständig geklärt, und auch kaum von Bedeutung. Fest steht, daß von keiner dieser Seiten Verträge oder Absprachen mit dem Verein bestehen, der TU-Club also im rechts-freien Raum existiert, und prinzipiell jederzeit geräumt werden könnte.

Ein (äußerst) schwacher Trost

Daß dabei auch die HTU mit ihrem Kommerz-Konzept durch die Finger schauen könnte, wenn nämlich das ganze wieder ein Hörsaal o. ä. wird, darüber entscheidet nach einer etwaigen Räumung der Rektor, ist wohl kaum ein Trost, wenn mensch bedenkt, daß mit dem TU-Club eines der viel zu wenigen unabhängigen politischen und kulturellen Zentren Wiens verloren ginge!

{der schwarze hamster}