17.06.2000

"Bitte liebt Österreich": Schlingensief-Container besetzt

(17.6.2000, 21:20)

Gerade eben wurde der (nach Beendigung der Kunstaktion nun leerstehende) Container von Christoph Schlingensiefs "Bitte liebt Oesterreich" von ca 80 AktivistInnen besetzt. Diese Aktion ist ein Zeichen des Protestes gegen die rassistische oesterreichische Abschiebepolitik, die "jedes Jahr Hunderten das Leben kostet".

Also alle nichts wie hin und beim Besetzen geholfen!!!

21:35 Wir haben gerade erfahren, dass die Polizei versucht den Container zu stuermen, also alle hin!!!!!!! Sofort !!!!!!

Erklaerung eines Teils der Container-BesetzerInnen

Wir DOKUMENTIEREN im folgenden eine Erklaerung eines Teils der Container-BesetzerInnen:

Smash Austria!

Wir haben diesen Container besetzt, nicht weil wir das Schlingensiefsche Aktionstheater weiterfuehren wollen, sondern weil wir die Zustaende, die in diesem Land herrschen bekaempfen. Fuer zehntausende Menschen ist Schubhaft bittere Realitaet. In Gefaengnissen oder in sogenannten Containerdoerfern, wie am Flughafen Schwechat, werden Menschen festgehalten, bevor sie mit Gewalt ausser Landes gebracht werden. Dies geschieht nicht nur unter Zustimmung der Regierung, sondern gerade mit breiter Unterstuetzung der oesterreichischen Bevoelkerung. Rassismus und Antisemitismus finden sich quer durch alle Bevoelkerungsschichten, in allen Parteien und Verbaenden. Das oesterreichische Migrationsregime, das jedes Jahr Hunderten das Leben kostet, wird von der Bevoelkerung mitgetragen und unterstuetzt. Im Unterschied zu Deutschland braucht es in diesem Land keine Neonazis, die MigrantInnen ermorden. Diese "Aufgabe" uebernimmt der institutionalisierte Hass.

Autoritaere Persoenlichkeitsstrukturen, Antisemitismus und Rassismus haben in Oesterreich eine lange Tradition. Der von weiten Teilen der "ostmaerkischen" Bevoelkerung bejubelte Anschluss und die massive Beteiligung dieser an der Vernichtung der europaeischen Juedinnen und Juden ist nicht vergessen! Aus der gemeinsamen Erfahrung der VerfolgerInnen resultiert die spezielle oesterreichische postnationalsozialistsiche Intimitaet des Vergessens und Verdraengens, die nicht nur ein Grund fuer den Aufstieg der Haiderschen FPOe ist, sondern auch erklaert, warum Sager, wie "Wer einmal schon fuer Adolf war, waehlt Adolf auch in diesem Jahr" (Wahlplakat des sozialdemokratischen Bundeskanzlerkandidaten Adolf Schaerf in den fuenfziger Jahren) zu Erfolgen fuehrten. Das oesterreichische TaeterInnenkollektiv, also das oesterreichische Volk, muss deshalb ins Zentrum der Kritik gerueckt werden.

Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus darf sich deswegen nicht auf den rechten Rand beschraenken, sondern muss das gesellschaftliche Fundament, die unertraegliche Normalitaet angreifen. Wer den Kampf gegen Haider im Namen der Demokratie, des Staates, der Nation oder des Volkes fuert, ist schon mit ihm.

Kein Frieden mit Oesterreich!
No Holidays in Naziland!

Gruppe "Blutiges Kettensaegenmassaker am oesterreichischen Volkskoerper"

Container-Besetzung schon wieder beendet!

Nach einem massiven Einsatz der Polizei und mehrmaligen Versuchen in den besetzten Container einzudringen, haben die BesetzerInnen beschlossen die Aktion zu beenden, um einer Eskalation aus dem Weg zu gehen

Kein Friede mit Oesterreich

{rosa antifa wien}