Wenn sie wieder laufen mit Fackeln in der Nacht...

Ein Nachbericht über den Fackelmarsch der neofaschistischen Identitären in der Wiener Innenstadt am 07.09.2019

Anstatt des Kahlenbergs wurde letzte Nacht also die Wiener Innenstadt der Treffpunkt von Neo-Faschisten, weil den Identitären durch antifaschistische Blockaden die Anfahrt auf den Kahlenberg verunmöglicht wurde. Als neuer Startpunkt wurde das Liebenberg-Denkmal über Telegram ca. 20 Minuten vor dem eigentlichen Start am Kahlenberg verkündet.

 

Die trotz allem recht schnelle Änderung inkl. einer anscheinend angemeldeten Alternativroute, lässt auf eine längerfristige Planung von Seiten der Identitären und der Cops schließen.

 

Durch die Blockaden saßen nun allerdings mehrere Kader der Identitären längere Zeit am Kahlenberg fest, was einige Auffälligkeiten beim Fackelmarsch durch die Innenstadt erklären würde. Zum einen gab es anfangs relativ wenige Durchsagen und das Austeilen der Fackeln und Banner wirkte teilweise ziemlich hektisch. Außerdem war der Marsch durch die Innenstadt in einem deutlich höheren Tempo unterwegs als in den vergangenen Jahren am Kahlenberg üblich war. Teilweise waren die Identitären fast schon im Laufschritt unterwegs. Über die Gründe dazu können wir nur mutmaßen, es liegt aber nahe, dass die Identitären einer neuerlichen Formierung von antifaschistischen Blockaden zuvorkommen wollten oder die Cops sie deswegen zu einem höheren Tempo drängten. Vielleicht lag es aber auch einfach am Fehlen der am Kahlenberg feststeckenden Anführer. Der Fackelmarsch hatte so jedenfalls wenig mit einem andächtigen Gedenken zu tun.

 

Wer läuft denn da eigentlich?

 

Vergleicht mensch die verschiedenen Demonstrationen der Identitären über die Jahre so fällt auf, dass es unter den Teilnehmer_innen eine enorme Fluktuation gibt. Abgesehen von den in der eigenen Hierarchie weiter oben stehenden Kadern sieht mensch bei jedem Aufmarsch neue Gesichter ohne dass die Teilnehmer_innenzahl merkbar steigt. Tendenziell war bei den Aufmärschen, die offen unter dem identitären Label angekündigt wurden, eine stärkere internationale Beteiligung zu verzeichnen. Während bei den Kahlenberg-Demos mehr die heimischen Rechtsextremen mobilisiert wurden, immer mit einem zahlreichen Aufgebot von Identitären aus der Steiermark. Dieses Jahr fiel vor allem die Teilnahme der FPÖ-Politikerin Ursula Stenzl medial auf, hatte doch die FPÖ angekündigt, nichts mehr mit den Identitären zu tun zu haben. Das dies schlichtweg gelogen war, konnte man schon an den jüngsten FPÖ-Inseraten für den Identitären nahestehende Medien erkennen, nichtsdestotrotz wurde hier die Nähe zwischen FPÖ und Identitären wieder einmal unübersehbar.

Neben Stenzel waren auch Christian Zeitz (Wiener Akademikerbund) und Georg Nagel (PEGIDA) bei dem Fackelmarsch. Stenzel, Zeitz und Nagel kennen sich schon länger vom sogenannten „Marsch für die Familie“. Dieser jährlich stattfindenen Gegenprotest gegen die Regenbogenparade wird von Zeitz und Nagel maßgeblich organisiert und Stenzel hatte dort ebenso eine Rede gehalten. Dazu gibt es eine ausgezeichnete Recherchereihe von den Leuten von FIDA.

 

Ansonsten ist uns neben den bekannten Gestalten der Identitären vor allem Philip Thaler aufgefallen. Der Burschenschafter und Identitäre aus Deutschland (Halle-Leobener Germania) ist in der Vergangenheit durch seine aktive Teilnahme an verschiedensten Naziaufmärschen in Deutschland aufgefallen.

 

Außerdem schloss sich kurz vor dem Start eine Gruppe von uns unbekannten laut gröhlenden Gestalten dem Marsch an, die wir der Hooligan-Szene zurechnen.

 

Trotz der Verlegung des Fackelmarsches in die Innenstadt, können die antifaschistischen Blockaden durchaus als Erfolg bezeichnet werden. Den offensichtlichen Plan B der Identitären konnten diese nur semi-erfolgreich durchführen, der hektische und immer wieder von antifaschistischen Rufen begleitete Marsch durch die Stadt dürfte für die Teilnehmer_innen jedenfalls nicht das erwünschte Erlebnis gewesen sein.

 

Smash fascism! Den völkischen Konsens brechen!