
InTeam 5 - Zeitung der Rosa Antifa Wien
Lust statt Liturgie
Vom 19. - 21. Juni 98 beehrt Ihrer Gnaden Papst Johannes Paul II zum zweiten Mal in seinem, leider schon sehr lang andauernden, Leben das ach so schöne Ösiland. Zeit mit der schon längst fälligen Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche zu beginnen.
Die Kirche, die in ihrer Geschichte einen einmaligen Rekord an Folter und Mordopfern, 22 Millionen Menschen allein während der Kreuzzüge, aufweisen kann. Die Kirche, die mehr als 1000 Jahre lang Bücher auf den Index setzen und ihre KritikerInnen ins Feuer werfen ließ. Eine Kirche, die mehr als 1000 Jahre lang ihre Untertanen mit der Ohrenbeichte bespitzelte, sie vor Tribunale stellte und schließlich von der Inquisition in Stücke reißen ließ. Sie hat sich mit seltener Dreistigkeit in das Privatleben von Menschen gemischt, und sie mit Vorschriften drangsaliert. Sie hat abtreibende Frauen gepfählt, Ketzern die Zunge heraus gerissen, "Hexen" und Juden verbrannt. Die Kirche empfing den Nationalsozialismus mit offenen Armen. So wurde in einem Hirtenbrief der deutschen Bischöfe am 30. August 1936 erklärt: "Möge es unserem Führer mit Gottes Hilfe gelingen, dieses ungeheuer schwere Werk der Abwehr (des Kommunismus d.R.) in unerschütterlicher Festigkeit und treuester Mitwirkung aller Volksgenossen zu vollbringen." So kann es nicht mehr verwundern, wen Papst Pius XI am 20. Dezember 1926 aller Welt verkündete: "Mussolini hat uns die Vorsehung gesannt." Der Sieg der Faschisten im Spanischen Bürgerkrieg wurde vom Papst am 1. April 1939 mit einem Glückwunschtelegramm gefeiert. Vom 18. 3. 1938 gibt es eine feierliche Erklärung der österreichischen Bischöfe: "Aus innerster Überzeugung und mit freiem Willen erklären wir (...) anläßlich der großen geschichtlichen Geschehnisse in Deutsch - Österreich: Wir erkennen freudig an, daß die nationalsozialistische Bewegung auf dem Gebiet des völkischen und wirtschaftlichen Aufbaus(...) hervorragendes geleistet hat und leistet. Wir sind auch der Überzeugung, daß durch das Wirken der nationalsozialistischen Bewegung die Gefahr des alles zerstörenden gottlosen Bolschewismus abgewehrt wurde.(...) Bei der Volksabstimmung ist es für uns Bischöfe selbstverständlich nationale Pflicht, uns als Deutsche zum deutschen Reich zu bekennen, und wir erwarten auch von allen gläubigen Christen, daß sie wissen, was sie ihrem Volke schuldig sind." Auch nach 1945 zeigte sich die Kirche Nazi-freundlich, sie half vielen bei der Flucht nach Argentinien usw. Eine wirkliche Aufarbeitung ihrer Verbrechen gab es nie.
Die Kirche heute
Wer glaubt, die Kirche hat heute keinen Einfluß mehr, täuscht sich. Österreich ist ein erzkatholisches Land und die "christlichen" Werte haben sich tief in die HERRschende Gesellschaft und Gesetze gefressen. Bis 1974(!) war der "Versuch, Unglauben zu verbreiten" unter Strafe gestellt. Heute noch haben katholische Schulen Öffentlichkeitsrecht und somit Ansprüche auf Beihilfen, die Meinungsfreiheit ist, wenn es um Aussagen über die Kirche geht noch eingeschränkter als sonst (§188 "Herabwürdigung religiöser Lehren"), etc. Der §188 bildete z.B. die Grundlage für die Beschlagnahme von Film und Drehbuch des "Gespenst" von Herbert Achternbusch. Beim Papstbesuch 1983 hagelte es §188 Anzeigen teilweise wegen "Papst hau ab" T-Shirts und anderen Nichtigkeiten. Am Land hat die Kirche heute am meisten Einfluß, gerade unter der bäuerlichen Bevölkerung, dort gehen die Leute in noch brav in die Kirche und zur Beichte. Der Pfarrer weiß, was in den Betten geschieht, und scheut sich auch oft nicht sein Wissen zu nutzen. Er spielt Moral-Polizei, versucht Jugendliche, die vorehelichen Sex hatten (über die Eltern, und Dörflichen Druck...), zur Ehe und Schwule zur Reue zu zwingen. Nicht ohne Grund ist die Selbstmordrate von Homosexuellen gerade am Lande erschreckend hoch.
Kirche und Frauen
Im allerheiligsten Buch der Christen, der Bibel, wird bereits die Grundlage für die frauenverachtenden Verbrechen des Christentums gelegt. So kann frau dort über sich lesen: "Denn der Mann ist nicht vom Weibe, sondern das Weib vom Manne, und der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes Willen, sondern das Weib um des Mannes Willen" und "(...) es ist aber gerecht, daß die Frau denjenigen, den sie zur Sünde verleitet, als ihren Herrn empfängt." außerdem äußert sich Apostel Paulus über das Mitspracherecht von Frauen in der christlichen Gemeinde: "Frauen haben in der Gemeinde zu schweigen." Bereits in den Anfängen des Christentums wurde es Frauen bei Todesstrafe verboten sich wissenschaftlich zu bilden oder gar zu lehren, so wurde im 5. Jhdt. Hyphatia von Alexandria, bedeutendste Alchemistin ihrer Zeit vom christlichen Mob in die Kirche gezerrt, und vor versammelter Masse in Scheiben geschnitten. Daran zeigt sich deutlich daß die Kirche Angst vor Wissenden, vor allem vor wissenden Frauen hat, denn wer weiß läßt sich nicht mehr so leicht unterdrücken, ausbeuten und sich das christliche, abergläubische Weltbild auf die Nase binden. Jetzt wissen wir auch, woher der Schwachsinn kommt, daß Frauen nicht fähig währen sich Wissen anzueignen, und warum sie systematisch vom Wissen ferngehalten wurden, um frau in der für sie vorgesehenen Rolle festzuhalten. Widerstand dagegen bedeutete Tod. Bis heute hält die Kirche an den Grundlagen eines extrem frauenverachtenden Rollenbild fest. Frau soll sich als Jungfrau in die Zwänge der Ehe begeben, dort ungeschützten, nur zur Fortplanzung dienenden "sauberen" (Missionarsstellung) Sex haben, möglichst viele Kinder bekommen, und sich aufopfernd um ihren Mann und sein Zeugungswerk kümmern. Fromm und demütig und "treu" sollte sie ihrem Gatten zu Diensten sein. Zum Glück lassen sich nicht viele auf diese Rolle beschränken. Aber die Kirche versucht ihr möglichstes, frau in ihrer Selbstbestimmung einzuschränken. Der Papst verteufelt Sex, das Kondom, die Pille ebenfalls und Abtreibung sowieso. In Polen wo Jo Paul herkommt, machte er seinen Einfluß geltend, und wirkte bei der Verschärfung der Abtreibungsgesetze mit. Diese Handlung kostete vielen Frauen das Leben, weil sie notgedrungen einen illegalen, unprofessionellen Schwangerschaftsabbruch vornehmen (lassen) mußten. Diese Frauen sind durch die repressive Gesetzgebung und Moral in die Illegalität getrieben, und können bei einem mißglückten Eingriff keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. In Österreich ist Abtreibung zwar seit 1975 im Rahmen der Fristenlösung bis zum dritten Schwangerschaftsmonat straffrei. Es gibt aber vor allem in ländlichen Gegenden keine Ärzte die eine Abtreibung vornehmen, und wenn, dann muß frau aufpassen, daß niemand davon erfährt, denn sonst kann es ihr passieren, daß sie geächtet wird. Gerade in letzter Zeit haben fundamentalistische Christen in einem Kampf "für das ungeborene Leben" ihr Hauptbetätigungsfeld gefunden, und das HERRschende Klima weiter verschärft.
Überhaupt wird von der kirchlichen Moral, genauso wie vom Großteil der Gesellschaft, Frauen das Recht auf Selbstbestimmung über ihren Körper sowie auf eine eigenständige Sexualität abgesprochen. Denn wenn überhaupt, dann darf nur der Mann Lust verspüren, die Frau hat als eine Art Brutkasten und Gebärmaschine zu funktionieren. Die Reduzierung von Sexualität auf Fortpflanzung bedingt klarer Weise die Ablehnung und Verteufelung von Homosexualität, weil es eben dabei gar nicht um Reproduktion gehen kann, sondern "nur" um Spaß und Lust. Zusätzlich läßt sich das traditionelle Familienbild und die dazugehörige Rollenverteilung auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften nicht so ohne weiteres anwenden.
Der größte Beschiß der Geschichte
Der Trick an der Religion ist ja, den Leuten einzureden, daß wenn sie brav hackeln, enthaltsam leben, sich demütig verhalten und nicht gegen ihre Herrn aufbegehren, sie eine Belohnung im Jenseits erhalten werden (bei Zuwiderhandlung droht Höllenaufenthalt bis zu einer Ewigkeit). Über Jahrhunderte wurden die Benachteiligten der Gesellschaft auf ein Leben nach dem Tod vertröstet, und so davon abgehalten die HERRschenden Umstände in Frage zu stellen, und sich von denen zu befreien, die ihnen all das predigten, um selbst in Saus und Braus leben zu können. Durch die alleinige Anstrebung eines besseren Lebens im "Himmel" und der Verdammung alles Irdischen sollte auch dem eigenen Körper nur Verachtung geschenkt werden. Daher die extreme Sexualitäts- und Lebensfeindlichkeit. Wer/Welche auf ein besseres Leben im Jenseits hofft, kann ewig warten. Leben hier und jetzt. Mit soviel Spaß und Lust wie möglich.
§188 Strafgesetzbuch:
Wer öffentlich eine Person oder eine Sache, die den Gegenstand der Verehrung einer im Inland bestehenden Religionsgemeinschaft bildet, oder eine Glaubenslehre(...) unter Umständen herabwürdigt oder verspottet, unter denen sein Verhalten geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.
