
Que(e)r-Programm / November 2003
05. November:
"der ewige judenhass"
die dreiteilige fernsehdokumentation (christina von braun/ 1989) führt durch die geschichte des "abendländischen" antisemitismus vom christlich-religiösen antijudaismus über den nationalsozialistischen vernichtungsantisemitismus bis zu den aktuellen ausformungen dieser ideologie.
aus anlass des jahrestags des novemberpogroms im "deutschen reich" wird jedenfalls der zweite teil ("deutschnationale judenfeindlichkeit") gezeigt, in dem u. a. der geschichte des 9. november in deutschland nachgespürt wird (ende der monarchie 1918; hitlerputsch 1923; novemberpogrom 1938; fall der berliner mauer 1989). alles weitere entscheiden das publikum und unsere filmrecherchetätigkeiten...
12. November:
fremdenrecht - fremdes recht?
Das österreichische Fremdenrecht ist nicht nur Ausdruck des Rassismus der blau/schwarzen Bundesregierung, sondern auch eines der kompliziertesten und undurchsichtigsten Gesetze, das aber für über 700 000 Menschen ohne österreichischen Pass von größter Bedeutung ist. Durch zahlreiche Novellen in den letzten Jahren, das Ende der Bundesbetreuung und die erst kürzlich erfolgte Aufhebung der Aufhebung der Bundesbetreuung durch den Verfassungsgerichtshof wird das österreichische Fremdenrecht zu einer Art Spezialwissenschaft.
Für ein bisschen Aufklärung wird die Deserteurs- und Flüchtlingsberatung Wien sorgen, die auch von ihren alltäglichen Erfahrungen im Umgang mit MigrantInnen erzählen wird.
19. November:
Prekäre Arbeit und gewerkschaftliche Organisierung
Die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse scheint die Gewerkschaften, im Besonderen den ÖGB kaum zu berühren. In Randbereichen gibt es Versuche, Organisationsformen außerhalb der "normalen" Arbeitsverhältnisse zu finden (work@flex ist eine Plattform innerhalb der Gewerkschaft der Privatangestellten - GPA, die versucht, WerkvertragsnehmerInnen, freie DienstnehmerInnen u.ä. zu organisieren). Daneben gibt es auch in den Kernbereichen der gewerkschaftlichen Organisierung, in den noch traditionellen Arbeitsverhältnissen immer mehr Einschränkungen (Ausgliederungen etc.), gegen die sich der ÖGB nicht (oder nur halbherzig) ausspricht, in seinen eigenen Bereichen sogar fördert (freie DienstnehmerInnen im bfi, Ausgliederung des Zahlungsverkehrs bei der BAWAG).
Gewerkschaften haben immer eine wichtige Rolle bei der Integration der ArbeiterInnen in Kapital und Staat gespielt, könnte nicht die Krise der Gewerkschaften dazu führen, dass eine Radikalisierung außerhalb dieser disziplinierenden Institutionen stattfindet?
Es soll darum gehen, ob ein Agieren innerhalb der Gewerkschaften die disziplinierenden Strukturen verstärkt und eine radikale Entwicklung nur außerhalb möglich ist oder ob es sinnvoll ist, innerhalb der linken Fraktionen im ÖGB zu agieren, weil doch noch ein großer Teil der Beschäftigten mit dem ÖGB zu tun hat.
Es diskutieren: VertreterInnen der KIV-UG (Konsequente Interessensvertretung/ Unabhängige GewerkschafterInnen), der FAU (Freie ArbeiterInnen Union) und der Zeitschrift "grundrisse".
26. November:
Gewalt gegen Frauen hat System!
Jahrhundertelang war Gewalt gegen Frauen ein Tabuthema und auch heute noch wird häusliche Gewalt gern unter den Tisch gekehrt: was im trauten Heim passiert, ist Privatsache, da soll sich auch kein Staat einmischen. Doch männliche Gewalt kennt viele Formen und wird nicht nur im Krieg als Waffe gegen Frauen eingesetzt. Im alltäglichen Leben spiegelt sich die Gewalt wider: ob als unangenehmes Gefühl beim allein nach hause gehen oder die Frage nach dem Kinderwunsch beim Vorstellungsgespräch - Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. Physisch, psychisch, sexuell, ökonomisch, strukturell - auf irgendeine Art hat jede Frau schon einmal selbst Gewalt erlebt. Durch öffentliche Thematisierung versuchen Feministinnen seit Jahren, dass Gewalt nicht einfach als unabänderlich hingenommen wird: Wiedereinmal wollen wir Männergewalt zum Thema machen.
Vortrag und Diskussion mit einer Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Frauen.
