
Que(e)r-Programm / April 2002
3. April:
Jenseits des Krieges
Vor dem Hintergrund der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" drehte Ruth Beckermann 1995 in Wien Interviews mit ehemaligen Soldaten ueber ihre Erfahrungen und Erlebnisse im "normalen" Krieg. Eine Dokumentation, die vor allem zeigt, wie noetig gerade jetzt auch wieder eine Auseinandersetzung mit der so gerne verdraengten Vergangenheit ist, wie stark noch immer der Wunsch nach der Reinwaschung der eigenen Geschichte und bei vielen BesucherInnen auch der eigenen Biographie ist.
10. April:
Neo-Nazis in Oesterreich
Fuer den 13. April rufen oesterreichische Neonazis rund um die Wiener "Kameradschaft Germania" zu einer Demonstration gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" auf.
Es ist das erste mal seit langer Zeit, dass Neonazis
- insbesondere aus dem Skinhead Milieu - versuchen
organisiert und oeffentlich in Wien aufzutreten. Es
stellt sich die Frage wie (re)organisiert die rechtsextreme
Szene in Oesterreich momentan ist. Sind Nazi-Demonstrationen,
wie sie in Deutschland fast alltaeglich geworden sind,
hinkueftig auch hierzulande regelmaessig zu befuerchten?
Informations- und Diskussionsabend
17. April:
Pink / Silver, Tactical Frivolity, Radical Cheerleading- neue Formen des Widerstands?
Bei den grossen Demonstrationen sind in den letzten Jahren immer wieder "Bloecke" von DemonstrantInnen aufgetaucht, die bunt und bizarr gekleidet sind und mit Samba (oder anderer Musik) vor den Polizeisperren tanzen. Am haeufigsten nennen sie sich Pink / Silver, aber auch andere Begriffe kommen vor wie Tactical Frivolity oder Radical Cheerleading. Dabei geht es darum, Formen der Auseinandersetzungen zu finden, die sich weder auf ein machohaftes Strassenkampfritual einlassen noch fuer Gespraeche mit RepraesentantInnen der Herrschenden zur Verfuegung stehen. Begruendet wird das einerseits durch die Ablehnung jeden Kompromisses mit herrschenden Strukturen (und zwar mehr als die StrassenkaempferInnen, die sich auf Kommunikationsformen der des Staates einlassen), aber auch damit, dass jeder Aufstand mit lustvollen und karnevalesken Formen verbunden ist.
Ein weiterer Punkt, der eine revolutionaere Rolle spielt, ist die Verwirrung des maennlichen Blickes. (Soziale) Geschlechter werden durch die herrschenden Strukturen immer wieder produziert: das maennlich kodierte ist das abstrakte, das mit Macht und Geld verbunden ist, das weiblich kodierte ist das "Koerperliche" und wird mit Erotik und Sexualitaet verbunden. Diese Art der Produktion von Geschlechtern soll durch die zu beschreibenden Aktionsformen verwirrt werden. Durch Kleidung und Auftreten sollen Geschlechtskonstruktionen laecherlich gemacht werden, aber auch Geschlechtsgrenzen ueberschritten werden. Veranstaltung:
1. "Queer"-Leben als Demonstration und Widerstand.
2. Film ueber Pink / Silver.
3. Einfuehrung in Pink/Silver, Tactical Frivolity, Radical
Cheerleading evtl. mit gemeinsamen Basteln.
24. April
Die Frauen von Juchitan - Mythos oder Realitaet?
"Bei den Zapoteken in der suedmexikanischen Stadt Juchitán haben die Frauen das Sagen. Sie beherrschen den Markt, sie verwalten das Geld, ihnen gehoeren die Haeuser, sie sorgen fuer sich und ihre Kinder. Die Maenner von Juchitán sind Bauern, Fischer, Handwerker, Arbeiter. Viele sind arbeitslos. Die starke Stellung der Frauen hat bewirkt, dass viele Maenner lieber eine Frau waeren. So werden in Juchitán drei Geschlechter unterschieden: Frauen, Maenner und Museh. Letztere sind Maenner, die sich als Frau fuehlen, Frauenkleider tragen und Frauenarbeit verrichten." so verspricht der Dokumentarfilm "Die Frauen von Juchitan"
Zwei AktivistInnen waren dort und berichten von ihren
Eindruecken.
Film, Vortrag und Diskussion
